Entscheidend ist, dass jedes Kind die Unterstützung bekommt, die es benötigt. Lernziele, Unterrichtsmethoden und Hilfen werden individuell angepasst. Dafür braucht es:
- barrierefreie Räume,
- vielfältige Lernmaterialien,
- individuelle Lernziele und flexible Unterrichtsmethoden sowie
- Teams aus Regelschul- und Sonderpädagoginnen/Sonderpädagogen.
In Niedersachsen gilt seit 2013 das Prinzip „Jede Schule ist eine inklusive Schule“. Andere Bundesländer setzen auf sogenannte Schwerpunktschulen – zum Beispiel für Kinder mit Hör- oder Sehbehinderung. Langfristig verfolgen viele Bundesländer das Ziel, jede Schule so auszustatten, dass jedes Kind wohnortnah gemeinsam mit anderen lernen kann.
Was ist das Ziel von Inklusion in Schulen?
Die Definition von Inklusion in der Schule beschreibt das Ziel, dass alle Kinder die gleichen Chancen auf Bildung haben – unabhängig von Behinderung oder Förderbedarf. Dabei geht es darum, die Schule so zu verändern, dass dort alle Kinder lernen können. Studien zeigen, dass Kinder mit Förderbedarf an inklusiven Schulen häufiger einen Schulabschluss als an Förderschulen erreichen.
Gleichzeitig profitieren auch Kinder ohne Förderbedarf:
- Sie entwickeln soziale Kompetenzen wie Empathie und Kooperationsfähigkeit.
- Sie erleben seltener Ausgrenzung und fühlen sich häufiger zugehörig (Bertelsmann Stiftung 2024).
- Inklusive Pädagogik stärkt das Klassenklima und fördert den sozialen Zusammenhalt.
Was braucht Unterricht, damit Inklusion gelingen kann?
Guter inklusiver Unterricht berücksichtigt verschiedene Lernniveaus. Das gelingt zum Beispiel mit Binnendifferenzierung, individuellen Förderplänen oder projektbezogenem Arbeiten. Erfolgreiche Schulen arbeiten mit multiprofessionellen Teams: Lehrkräfte, Sonderpädagoginnen, Schulsozialarbeit und Therapiefachkräfte arbeiten eng zusammen. In Bremen wurden dafür mobile Beratungsteams eingerichtet, die Regelschulen gezielt unterstützen.
Ein weiteres wichtiges Thema, das Inklusion in der Schule betrifft, ist Barrierefreiheit. Laut Bertelsmann Stiftung sind 41 Prozent der Schulen baulich noch nicht vollständig barrierefrei. Ohne Aufzüge, barrierefreie Toiletten oder digitale Hilfsmittel können manche Kinder eine Schule schlicht nicht besuchen. Ein Praxisbeispiel für die Überwindung solcher Hürden ist das Hamburger Sonderinvestitionsprogramm: Hamburg hat bis 2024 den Abbau baulicher Barrieren im Schulbestand mit 35 Millionen Euro finanziert.
Welche Rolle spielen Kommunen bei der inklusiven Bildung?
Kommunen sind als Schulträger dafür zuständig, die sächlichen Rahmenbedingungen für den inklusiven Schulbetrieb bereitzustellen. Dazu zählen Aufzüge und barrierefreie Sanitäranlagen, aber auch digitale Hilfsmittel wie Vorlesesoftware oder Bildschirmlesegeräte. Die Bedarfe stimmen sie mit den Schulen ab. Oft stehen dabei nur begrenzte Mittel zur Verfügung. Auch die Organisation von Schulbegleitung fällt in ihren Bereich: Jugend- und Sozialämter stellen Integrationshilfen bereit, die Kinder im Unterricht unterstützen.
Auch die Schulentwicklungsplanung liegt in kommunaler Hand. Kommunen entscheiden etwa, wo inklusive Angebote gestärkt, Förderschulen zurückgebaut oder Schwerpunktschulen aufgebaut werden. In Nordrhein-Westfalen erhalten sie für bauliche und personelle Maßnahmen eine Inklusionspauschale. Trotzdem ist die parallele Finanzierung von Förderschulen und inklusiven Angeboten für viele Kommunen finanziell schwer zu stemmen.
Inklusion scheitert oft an knappen Ressourcen
Viele Lehrkräfte an allgemeinen Schulen stehen mit den Anforderungen der Inklusion oft allein da, weil ausgeschriebene Stellen für Sonderpädagoginnen/Sonderpädagogen unbesetzt bleiben. Der Zusatzbedarf muss dann von Regellehrkräften mitgetragen werden. Programme für mehr Studienplätze, Quereinstieg oder multiprofessionelle Teams greifen bislang nur punktuell.