Fall 1: Gefälschte E-Mails im Namen von Vorgesetzten – Gutscheinkarten als Falle
Bei dieser Betrugsmasche geben sich Kriminelle als Bürgermeister, Führungskraft, Vorgesetzte oder andere bekannte Personen innerhalb der Organisation aus. Die Kontaktaufnahme erfolgt häufig per E-Mail.
Zunächst wirkt die Nachricht harmlos, beispielsweise mit der Bitte um einen kurzen Gefallen. Anschließend wird darum gebeten, kurzfristig Gutscheinkarten – etwa von Amazon – zu kaufen. Die Mitarbeitenden sollen die Gutscheincodes anschließend per E-Mail an den vermeintlichen Vorgesetzten zurückschicken.
Häufig setzen die Täter dabei bewusst auf Zeitdruck, Autorität und Vertraulichkeit. Genau diese Kombination soll verhindern, dass die Empfängerinnen und Empfänger die ungewöhnliche Bitte hinterfragen. Diese Vorgehensweise ist als CEO-Fraud bzw. Chef-Betrug bekannt. Entsprechende Fälle mit Gutscheinkarten werden auch von Sicherheitsbehörden beschrieben.
Typische Warnsignale
Seien Sie besonders aufmerksam, wenn:
- eine Führungskraft plötzlich um einen ungewöhnlichen „Gefallen“ bittet,
- Gutscheinkarten oder andere Zahlungsmittel gekauft werden sollen,
- die Codes anschließend per E-Mail übermittelt werden sollen,
- die Angelegenheit angeblich besonders dringend ist,
- ausdrücklich um Vertraulichkeit gebeten wird,
- eine Rücksprache per Telefon oder persönlich vermieden werden soll,
- die E-Mail-Adresse bei genauer Betrachtung von der tatsächlichen Adresse der Führungskraft abweicht.
Wichtig: Ein vertrauter Name im Absenderfeld ist kein Beweis dafür, dass die Nachricht tatsächlich von dieser Person stammt. Absenderangaben können gefälscht werden.
Unsere Empfehlung
Bei ungewöhnlichen Zahlungs- oder Gutscheinanforderungen immer einen zweiten Kommunikationsweg nutzen.
Rufen Sie die vermeintliche Führungskraft beispielsweise über die Ihnen bekannte Telefonnummer an oder sprechen Sie sie persönlich an. Verwenden Sie hierfür nicht die Kontaktdaten aus der verdächtigen E-Mail.
Eine kurze Rückfrage kann einen erheblichen finanziellen Schaden verhindern.
Fall 2: Manipulierte Rechnungen – die Rechnung sieht echt aus
Eine weitere besonders schwer erkennbare Betrugsmasche betrifft Rechnungen.
Dabei verschaffen sich Kriminelle beispielsweise Zugriff auf den E-Mail-Verkehr zwischen einem Unternehmen und der Kommune. Eine Rechnung wird abgefangen und die Bankverbindung bzw. IBAN des tatsächlichen Zahlungsempfängers gegen das Konto der Betrüger ausgetauscht.
Anschließend wird die manipulierte Rechnung weitergeleitet.
Das Gefährliche daran: Die Rechnung kann ansonsten vollständig identisch mit dem Original aussehen. Logo, Rechnungsnummer, Leistungsbeschreibung, Betrag und Ansprechpartner können korrekt sein. Lediglich die Zahlungsinformationen wurden verändert. Eine entsprechende Betrugsmasche wurde auch aktuell von der Verbraucherzentrale beschrieben.
Deshalb gilt: Zahlungsempfänger und Rechnungssteller abgleichen
Vor einer Überweisung sollte insbesondere geprüft werden:
Passt der Zahlungsempfänger zur Organisation bzw. zum Unternehmen, das die Rechnung gestellt hat?
Besondere Vorsicht ist geboten, wenn beispielsweise:
- der Rechnungssteller seinen Sitz in Deutschland hat, die angegebene Bankverbindung aber auf ein ausländisches Konto führt,
- sich die Bankverbindung gegenüber früheren Rechnungen plötzlich geändert hat,
- kurzfristig eine neue IBAN mitgeteilt wird,
- eine Zahlung auf ein Konto erfolgen soll, das bisher nicht verwendet wurde,
- die Änderung der Bankverbindung ausschließlich per E-Mail mitgeteilt wurde.
Eine ausländische IBAN ist nicht automatisch ein Betrugsindiz. Sie sollte bei einem unerwarteten oder erstmaligen Auftreten jedoch Anlass für eine zusätzliche Prüfung sein.
Bei Änderungen der Bankverbindung: Rücksprache halten
Wird eine neue Bankverbindung mitgeteilt, sollte diese über einen bereits bekannten und vertrauenswürdigen Kommunikationsweg bestätigt werden.
Beispielsweise kann der zuständige Ansprechpartner des Unternehmens unter der bereits bekannten Telefonnummer kontaktiert werden.
Nicht die Telefonnummer aus der verdächtigen E-Mail verwenden.