Extremwetter gefährdet die kommunale Infrastruktur
Naturgefahren wie Starkregen oder Überschwemmungen treten in Deutschland immer öfter auf. Solche Wetterereignisse gefährden auch die öffentliche Infrastruktur. Insbesondere Starkregen kann nahezu überall erhebliche Schäden verursachen – selbst in Regionen ohne bekannte Hochwassergefahr. Dadurch steigt das Risiko für Städte und Gemeinden unabhängig von ihrer geografischen Lage.
Trotz dieser Entwicklung sind viele Kommunen schlecht vorbereitet. So sind zahlreiche öffentliche Gebäude nicht hinreichend oder gar nicht gegen Elementarschäden versichert. Dies betrifft unter anderem zentrale Einrichtungen der öffentlichen Daseinsfürsorge:
- Rathäuser
- Schulen
- Sporthallen
- Feuerwachen
Wenn Gebäudeschäden entstehen und ein Versicherungsschutz fehlt, mangelt es oft an Mitteln für eine schnelle Instandsetzung. Dies wirkt sich unmittelbar auf den Alltag der Bürgerinnen/Bürger aus. Dabei zeigen die Extremwetterlagen der letzten Jahre in aller Deutlichkeit, dass Kommunen Naturgefahren als reale Bedrohung erkennen und vorausschauend handeln müssen.
Wie gut sind kommunale Gebäude gegen Naturgefahren versichert?
Die Absicherung ist von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich. In einigen Regionen ist weniger als die Hälfte der kommunalen Gebäude gegen Elementargefahren versichert. Mit den genauen Zahlen hat sich kürzlich eine Studie der Universität Hohenheim im Auftrag des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) befasst. Die Ergebnisse zeigen deutliche Unterschiede auf: In Baden-Württemberg haben etwa 70 Prozent der befragten Städte und Gemeinden eine Elementarschadenversicherung für ihre Liegenschaften. In Thüringen sind es 55 Prozent, während in Hessen nur 50 Prozent versichert sind. Die hohe Quote in Baden-Württemberg lässt sich mit einer früheren Versicherungspflicht erklären. Auch abseits der GDV-Studie zeigen sich niedrige Quoten: Sachsen-Anhalt meldet eine Absicherungsquote von nur 30 Prozent, Schleswig-Holstein liegt ebenfalls deutlich unter 50 Prozent.
Viele Kommunen verzichten auf elementaren Versicherungsschutz, obwohl dieser im Ernstfall zentral für eine schnelle Wiederherstellung und Kostenübernahme ist. Die Studie belegt damit nicht nur eine große Versicherungslücke, sondern auch strukturelle Unterschiede zwischen den Regionen. Als Gründe nennen viele Kommunen fehlende finanzielle Mittel und den hohen Aufwand bei der Vertragsgestaltung.
Warum wird das Risiko durch Naturgefahren in Kommunen unterschätzt?
In vielen Verwaltungen wird die Gefährdung durch Naturgefahren als niedrig bewertet oder nicht als kommunale Verantwortung betrachtet. Besonders Starkregen wird oft unterschätzt, obwohl er auch abseits von bekannten Hochwassergebieten schwere Schäden anrichten kann. Diese Fehleinschätzung führt dazu, dass Kommunen ihren Versicherungsschutz strukturell vernachlässigen. Stattdessen verlassen sich viele Verwaltungen im Schadensfall auf staatliche Hilfen. Doch diese greifen meist nur bei großflächigen Katastrophen. Lokale Schäden bleiben nicht selten unberücksichtigt. Wer auf solche Unterstützung vertraut, steht im Ernstfall ohne Absicherung da.
In vielen Verwaltungen fehlen zudem klare Zuständigkeiten für Risikomanagement und Versicherungsschutz. Häufig ist unklar, wer bestehende Policen prüft oder Risiken bewertet. Auch aktuelle Übersichten zu Liegenschaften und Versicherungsstatus liegen oft nicht vor. Einige Bundesländer haben keine aktuellen Daten zum Versicherungsstand ihrer Kommunen. Selbst wenn Versicherer passende Angebote machen, werden diese nicht immer genutzt – aus Mangel an Zeit, Know-how oder internen Abläufen.