Klassische Medien bleiben ein wichtiger Kommunikationskanal
Im Krisenfall entscheidet vor allem das Zusammenspiel verschiedener Kanäle darüber, ob Informationen tatsächlich ankommen. Klassische Medien wie das Lokalradio spielen weiterhin eine zentrale Rolle, weil sie Menschen ohne aktive Suche erreichen und in akuten Lagen als besonders glaubwürdig gelten.
Ergänzend dazu nutzen Kommunen im Krisenfall weitere Kommunikationswege:
- kommunale Websites bündeln Informationen und dienen als verlässlicher Ausgangspunkt
- Warn-Apps wie NINA oder KATWARN senden gezielte und schnelle Warnmeldungen
- Social Media verbreitet erste Hinweise und Lageeinschätzungen in kurzer Zeit und ermöglicht direkte Rückmeldungen
Viele Organisationen haben bereits Krisenstäbe eingerichtet
Der Grundstein für eine wirksame Krisenkommunikation wird schon mit der Vorbereitung gelegt: Eine organisationsübergreifende Studie aus dem Jahr 2023 zeigt, dass 87 Prozent der befragten Organisationen einen Krisenstab haben. In diesen Krisenstäben arbeiten im Schnitt mehr als sechs Fachbereiche zusammen. Dazu gehören in der Regel auch Kommunikationsverantwortliche.
Für Kommunen ergibt sich daraus ein klares Learning: Krisenkommunikation muss organisatorisch fest verankert sein und frühzeitig eingebunden werden. Gleichzeitig bleibt Vorbereitung ein praktischer Prozess: Rund zwei Drittel der Organisationen führen regelmäßig Krisenübungen durch, um Abläufe unter realistischen Bedingungen zu testen. Dabei werden unter anderem folgende Szenarien simuliert:
- Ausfall zentraler IT- und Kommunikationssysteme
- widersprüchliche Lageinformationen zwischen Behörden
- stark steigendes Informationsaufkommen aus der Bevölkerung
Auch staatliche Großübungen wie LÜKEX dienen dazu, Kommunikations- und Abstimmungsprozesse unter realistischen Bedingungen zu testen. In der Praxis zeigt sich dabei immer wieder, dass Probleme selten durch fehlende Informationen entstehen. Die Ursache liegt vielmehr in unklaren Zuständigkeiten, zu langen Freigabewegen oder nicht abgestimmten Prozessen.
Eine gute Kommunikation macht Krisen beherrschbar
Spätestens im Ernstfall zeigt sich, ob kommunale Krisenstrukturen tragen. Kommunen, die bereits im Alltag über Social Media kommunizieren, erreichen im Krisenfall schneller große Teile der Bevölkerung. Sie profitieren von vorhandener Reichweite und Vertrauen. Auch Warnsysteme wirken nur dann zuverlässig, wenn sie mit weiteren Informationen verknüpft sind. So sollten Meldungen aus Warn-Apps direkt auf aktuelle Inhalte der kommunalen Website verweisen.
Ein weiteres zentrales Learning betrifft den Umgang mit Falschmeldungen. Diese verbreiten sich oft schneller als offizielle Informationen. Deshalb müssen sie frühzeitig und sichtbar im gleichen Kanal korrigiert werden. Ebenso wichtig ist es, Kommunikationswege flexibel anzupassen, etwa wenn einzelne Plattformen ausfallen oder Zielgruppen nicht erreicht werden. Gute Krisenkommunikation zeigt sich nicht im Konzept, sondern in der Umsetzung. Sie trägt maßgeblich dazu, dass eine Krise beherrschbar bleibt und nicht eskaliert.